Madagaskar - Jesus überzeugt und heilt

"Das Leben ist eine unbekannte Reise in die Zukunft. Man kann sich zwar Ziele stecken, aber wohin die Reise tatsächlich führt, ist oft ungewiss, …“

Meine Name ist Nirilalaina oder kürzer, Niri. Meine Reise begann 1975 in Madagaskar, einem Entwicklungsland. Aber ich durfte in einem gut versorgten Elternhaus aufwachsen. Mein Vater gründete in Fort-Dauphin ein eigenes Unternehmen, und für mich schien das Leben relativ rund zu laufen. Da ich in schulischen und anderen Gebieten recht erfolgreich war, bildete ich mir ein, das Leben schon mit 14 Jahren im Griff zu haben. Ich ging in die 10. Klasse und hatte im Familienunternehmen schon einen eigenen Entscheidungsbereich; außerdem besaß ich viele Freunde. So entwickelte ich mich zu einem selbstbewussten und selbstsicheren Jungen.

Für viele Madagassen gehören Taufe und regelmäßiger Gottesdienstbesuch zu den Traditionen, die man pflegt. Leider hat das oft kaum Auswirkungen auf den Alltag. Vor allem dann nicht, wenn das Leben gut funktioniert. So war das auch bei mir. Doch dann kam der Tag, an dem meine Mutter starb.

Gott und okkulte Bräuche, man kann ja nie wissen ...

Über 50 Prozent meiner Landsleute praktizieren Ahnenkulte und viele sind dem Animismus verhaftet - sie glauben, dass alles eine Seele hätte. Meine Eltern hatten uns beigebracht, sowohl an Gott als auch an diese Kulte zu glauben. Wenn man nichts Böses tut, könnten okkulte Bräuche auch nicht schaden. Ich war auch von dieser Theorie überzeugt, denn das Leben meiner Eltern verlief bis zu diesem Zeitpunkt sehr positiv.   

Zwar hatte meine Mutter einige Jahre vor ihrem Tod ihren Glauben und ihre Lebenshaltung radikal verändert und bezeichnete sich als „überzeugte Nachfolgerin Jesu Christi“. Die Bedeutung dieser Worte habe ich damals nicht wirklich verstanden. Meine Mutter lehnte nun alle okkulten Bräuche ab, lebte ein geheiligtes Leben und bat uns als Familie darum, unseren bisherigen Lebensstil zu ändern. Wir respektierten unsere Mutter mit ihrer Entscheidung, zogen aber persönlich nicht mit. Solange wir nicht klauten oder töteten - was sollte denn an unserem Lebensstil (unerlaubtes Autofahren, Disco, Arroganz gegenüber den Hausangestellten...) verkehrt sein? Ich gehörte ja schließlich im Gymnasium zu den erfolgreichen Schülern.

Ich hielt mich für zu intelligent, um Gott zu brauchen.

Eines Sonntags bei Verwandten in der Hauptstadt brachte unsere Cousine uns in eine Kirchengemeinde, die für mich sehr fremd war. Ich beschloss, nicht noch einmal hinzugehen, falls es noch einmal vorgeschlagen würde. Aber was hatte mich überhaupt gestört? Es wurde gelehrt, dass man „mit Jesus durch das Leben gehen“ müsse und dass Gott wolle, dass wir unseren Lebensstil ändern. Ich sagte mir, ein intelligenter Mensch würde nicht so irrational und radikal denken. Für mich war das also nichts. Außerdem meinte auch mein Vater damals, die Bibel beinhalte zwar einen guten moralischen Leitfaden, den man später für ein anständiges Leben brauche, aber man solle das ganze nicht zu radikal sehen. 

Doch dann wurde meine Mutter schwer krank. Ich steckte mitten im Abitur. Zwar las ich nun durch den Philosophieunterricht angeregt in der Bibel, aber ohne tiefen persönlichen Bezug. 1992, kurze Zeit darauf, starb meine Mutter.

Ich war traurig, zerrissen und konnte nicht fassen, was passiert war. Aber nicht nur ich, sondern die ganze Familie war am Boden. So beschlossen wir, aus unserer Stadt fortzuziehen. Die Trauer war groß und richtete mehr Schaden an, als wir es wahrnehmen konnten. Mein Vater führte unser Geschäft in den Konkurs. Außerdem stritt ich mich oft mit meinen beiden Geschwistern. Auch mein überhöhtes Selbstbewusstsein und die Selbstsicherheit wurden stark erschüttert. Die geheime Angst wuchs, vielleicht auch noch meinen Vater zu verlieren.

In der Krise war plötzlich Jesus da.

An einem Sonntagmorgen eskalierte der Konflikt zwischen mir und meinem älteren Bruder, so dass ich erst einmal unser Haus verließ, ohne wirklich zu wissen, wohin. Ich stieg in irgendeinen Bus und fuhr bis zu der Kirchengemeinde, in die uns zwei Jahre zuvor meine Cousine geführt hatte. Diesmal erreichte der Gottesdienst mein Herz. Ich hatte durch spirituelle Praktiken schon geistliche Mächte kennengelernt. Aber dass Jesus mehr ist als eine Geschichte, hatte ich nicht geglaubt. Jetzt wusste ich plötzlich: Jesus lebt!

Ich entschied mich, ab jetzt mit „Jesus durchs Leben“ zu gehen und meine Einstellungen zu ändern, so wie es meine Mutter damals empfohlen hatte. Als ich nach Hause kam, erlebte ich ein Wunder: Anstatt dass der Streit mit meinem Bruder wieder entflammte, herrschte dort Frieden. Auch half mir Gott in kurzer Zeit aus meiner allzu tiefen Trauer heraus, die mich immer noch bedrückte.

Schritt für Schritt  lernte ich, dass die Erfahrung des Glaubens menschliche Logik übersteigt: Jesus heilte mich von einer Allergie, an der ich über 15 Jahre lang gelitten hatte. Die Beziehung zur Familie wurde trotz der schlechten finanziellen Situation besser als je zuvor. Alles, was meine Eltern an Sicherheit aufgebaut hatten, ging verloren. Dennoch fühlte ich mich durch mein Glauben geborgen und hatte Hoffnung!

Jesus gibt mir Mut und Freude.

Egal, in welcher Situation ich mich befand, Jesus half mir immer. Als ich mit dem Totenkult, der noch in der Familie meiner Mutter praktiziert wurde, nichts mehr zu tun haben wollte, wusste ich nicht, wie ich das allein gegen die Verwandtschaft durchkämpfen sollte. Gott löste das Problem auf seine Weise. Auch mein Vater und meine Geschwister erklärten überraschend, dass sie ebenfalls bei dieser Tradition nicht mehr mitmachen wollten. Jesus lebt!

Meine Reise geht weiter und hat mich bis nach Deutschland geführt. Seit 1992 reise ich aber zusammen mit Jesus ….          

Nirilalaina A., Mitglied der Lukas-Gemeinde