Fenstersturz aus 10 Metern

Es passierte zwei Tage vor meinem 10. Geburtstag: Ich nervte meine Mutter mit meinem ewigen Rumtanzen und Rumsingen in der Küche, bis sie mich schließlich auf mein Zimmer in der 2. Etage unseres Hauses schickte.

Dort tanzte ich mit meinem Schal weiter bis er sich im Fenster verhakte. Ich zog, bekam ihn aber nicht frei und kletterte nun die Heizung hoch, um ans Fenster zu kommen. Ich öffnete es und konnte den Schal endlich lösen.

Jetzt wurde mir bewusst, wie hoch ich stand: 10 Meter über unserem Garten. Ich trat auf´s Fensterbrett und schaute mich neugierig um. Plötzlich geriet ich aus der Balance und sah nur noch meine Füße vom Fensterbrett abrutschen. Ich befand mich im freien Fall.

Ab hier erinnere ich nur noch Bruchstücke.

„Mama, weck mich auf, ich habe einen Albtraum!“: der Notarzt, die Trage, die vielen Fragen, meine Lieblingsjeans, die mit einem „Pizzaroller“ einfach aufgeschnitten wurde, meine Mutter, die mit den Ärzten sprach, die Röhre, in die ich reingeschoben wurde, die Schmerzen und dann Schlaf, sehr viel Schlaf.

Im Rückblick kann ich es selbst kaum glauben. Ich bin als Neunjährige aus einem zehn Meter hohen Fenster gefallen, habe überlebt und bin noch nicht einmal querschnittsgelähmt. Stattdessen waren „nur“ drei Lendenwirbel zertrümmert. Dass der Spinalkanal mit den Nervensträngen verschont wurde, nannten alle ein Wunder. Ein Arzt meinte, dass ich mehr als nur einen Schutzengel gehabt haben müsse. Ich weiß heute, dass das die Wahrheit ist. Den Sturz, die OP und auch die Komplikationen nach der OP habe ich überstanden.

Es gab es in der Nacht nach der OP eine schwerwiegende Komplikation.

Mein Körper fing an zu beben und keiner der Notärzte wusste, was die Ursache war. Auch zahlreiche Infusionen halfen nichts. Nach einer Stunde fing mein Blutdruck an immer mehr zu sinken. Nun ging es um mein Leben. Plötzlich kam eine Ärztin auf die rettende Idee, dass die Temperatur des „neuen“ Bluts eventuell falsch eingestellt sei und eine allergische Reaktion hervorrufe. Die Blutinfusion wurde sofort aufgewärmt und mein Körper beruhigte sich. Ein weiteres Wunder. Nach sechs Tagen auf der Intensivstation durfte ich endlich auf die normale Station und dann nach Hause.

Mehrere Wunder auf einmal

Zum einen ist es ein Wunder, dass es mir heute körperlich so gut geht, zum anderem aber auch der emotionale Aspekt: keine Albträume oder Traumata. Ich habe Frieden und blicke auf diese Zeit nicht mit Schrecken zurück, sondern eher mit Staunen. 

In den darauf folgenden Wochen erfuhren wir als Familie immer detaillierter, wie sehr Gott mich doch beschützt und umsorgt hatte. Mitten in der Nacht wurden zwei Frauen, Christinnen und Freundinnen unserer Familie, aufgeweckt. Sie hatten den inneren Impuls, für mich zu beten. Nach einer gewissen Zeit sagte ihnen ihr Gefühl, dass sie sich wieder schlafen legen könnten. Es stellte sich heraus, dass das genau in dem Zeitraum war, in dem mein Körper die allergische Reaktion auf die Temperatur der Blutinfusion hatte. Aber es gab auch andere Menschen aus unserer Gemeinde, die schon seit längerer Zeit viel für uns als Familie beteten. Sie wussten keinen bestimmten Grund. Sie empfanden einfach, dass Gott es ihnen aufs Herz gelegt hätte. 

Heute betrachte ich manchmal meine kleine Box mit all den Nägeln, die damals in meinen Rücken zur Stabilisation eingebaut wurden. Sie erinnern mich immer wieder daran, dass Gott mich wollte, einen Plan für mein Leben hat und alles wieder herstellen kann. Auch meine lange Narbe am Rücken zeigt mir, dass ich mehrmals hätte sterben können, Gott aber noch einiges mit mir vorzuhaben scheint. Das ist ein tolles Gefühl.

Jordana, Mitglied der Lukas-Gemeinde