Eine völlig andere Einstellung

Ich bin, um ehrlich zu sein, ein Nachrichtenjunkie. Abends vor dem Schlafengehen checke ich schnell noch mal die jüngsten Meldungen, als wären es die letzten. Laptop und Smartphone erleichtern die Sucht, oder freundlicher ausgedrückt: die Ausübung meines Berufs. Ich bin Hauptstadtkorrespondent.

Ich berichte über Bundespolitik, Parlament und Regierung, das heißt Koalitionsstreit, den Rücktritt von Ministern, über Untersuchungsausschüsse, Parteitage oder Energiewende.

Als Kind wollte ich Sportreporter werden. Ich studiere also Sport, berichte über Fußball, Eishockey und Tennis. Irgendwann werden mir die Ballwechsel zu langweilig, ich wechsele in die Nachrichtenredaktion, arbeite für verschiedene Sendeanstalten, ziehe x-mal um.

Die Bibel: Schwer wie ein Ziegelstein

2003 trennt sich meine Frau von mir, unsere beiden Söhne bleiben bei ihr. Plötzlich bin ich allein. Eine Freundin schenkt mir eine Studienbibel, schwer wie ein Ziegelstein. Dazu lese ich das christliche Ratgeber-Buch «Leben mit Vision» des US-Baptistenpastors Rick Warren. Ich war mit vielem, was ich darin las, überhaupt nicht einverstanden. Ich erinnere mich, dass ich den Rand der Seiten vollgeschrieben habe mit meinen Fragen, Widersprüchen und meiner Empörung. Zugleich habe ich mich geschämt, wie wenig Ahnung ich von der Bibel hatte.

Taufe – Konfirmation – Desinteresse

Als Baby wurde ich evangelisch getauft, als Jugendlicher konfirmiert, so war das eben. Danach kam nur noch Desinteresse. Aber aus der Kirche austreten wollte ich nicht. Gott meine Mitgliedschaft vor die Füße schmeißen, nur um Kirchensteuer zu sparen? Das gehörte sich nicht!

Bei einem Aufenthalt in den USA besuchte ich einen Gottesdienst der Gemeinde «Grace Chapel» in Lexington (nahe Boston). Die Kirche war brechend voll, mit vielen Menschen in meinem Alter, die Band hätte in den Charts spielen können und bei der Predigt hatte ich das Gefühl: Der Pastor redet mit mir, der meint mich! Ich war total begeistert! Das war Ende 2003. Ich war 41.

Zurück in Bremen, führte mich Gott zur landeskirchlichen Abraham-Gemeinde. Ihr Pastor war der deutsche Übersetzer des Buches von Rick Warren. Nur eine von mehreren Begebenheiten, die mich immer seltener an Zufall glauben ließen. Für mich begann in der Gemeinde und im Hauskreis eine schöne, intensive Zeit des Wachstums in Jesus Christus.

Gemeindesuche mit gutem Ende

Als ich nach Berlin versetzt wurde, machte ich mich mit Claudia, meiner zweiten Ehefrau auf Gemeindesuche. Die meisten Gottesdienste, die wir besuchten, waren langweilig und schwermütig, mit Pastoren, die nicht mehr wissen, was sie sagen sollen, wenn man ihnen die Kladde aus der Hand nimmt. Unser Suchradius wurde immer größer, und schließlich landeten wir - Gott sei Dank - in der Lukas-Gemeinde.

Was sich geändert hat, seit ich Christ bin? Meine Einstellung ist eine völlig andere geworden: Zu wissen, dass ich nicht allein bin, dass ich von Gott getragen werde und dass ich das Licht der Welt bin – das ist Verantwortung und Glück zugleich.

Nick, Mitglied der Lukas-Gemeinde