Was unterscheidet den christlichen Glauben vom Buddhismus?

Glauben kann am besten von innen beurteilt werden. Deswegen ist es schwierig, als Christin oder Christ über das Heilige anderer Menschen zu urteilen. Ich habe auch nicht als Buddhistin gelebt, bevor ich Christin wurde. Außerdem ist der Buddhismus kein einfaches und schlüssiges Gedankengebäude, sodass alles hier Gesagte auch noch stark vereinfacht ist. Deswegen: Alle Buddhisten, die dies lesen, sind ausdrücklich eingeladen, Fehler richtig zu stellen oder sich an der Diskussion zu beteiligen. Was wir vergleichen können, sind die Lehren beider Glaubensrichtungen. Und das will ich hier ganz verkürzt tun.

Es besteht nach meiner Auffassung zunächst eine Gemeinsamkeit zwischen beiden Religionen

Innere, positive oder negative, Einstellungen, Bedürfnisse und Anschauungen führen zu Taten. Diese Taten können gut, böse oder neutral sein. Sie haben Konsequenzen, und zwar nicht nur im Materiellen, sondern auch im Immateriellen. Die Christen würden das Immaterielle die geistliche Dimension nennen, die Buddhisten nennen es Karma.

Böse Taten verschlechtern das Karma, gute verbessern es. Wenn ein Mensch stirbt, entscheidet das „resultierende“ Karma seines Lebens, also die moralische Qualität seines Handelns, ob und wenn ja, als was ein Mensch wiedergeboren wird. Erstrebenswertes Ziel ist, überhaupt nicht wiedergeboren zu werden, sondern im Nichts, dem Nirwana, aufzugehen und dem ewigen Kreislauf des Wiedergeborenwerdens zu entkommen. Das betrachten die Buddhisten als erlösten Zustand. Das Befolgen der Lehren Buddhas soll den Weg ins Nirwana frei machen. Das ist nicht einfach, aber: Letztlich hat es der Mensch selbst in der Hand, in den erlösten Zustand zu gelangen.

Der christliche Glaube kennt im Unterschied zum Buddhismus einen persönlichen Schöpfergott

Dieser Gott habe die Menschen geschaffen und lenke den Gang der Geschichte. Der Bibel zufolge sagt dieser Gott von sich, er sei die Liebe. Das Christentum bejaht ebenso wie der Buddhismus, dass die innere Haltung, der Charakter das Tun des Menschen bestimmt. Der Wert der Handlungen wird – stark vereinfacht – daran gemessen, ob darin Liebe zum Ausdruck kommt. Liebe ist nicht einfach ein Gefühl, sondern das, was Gott selbst auch ist: eine sehr komplexe Haltung der bedingungslosen Güte, Treue, Freundlichkeit, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit und Selbstlosigkeit. Falls Menschen durchgängig so handeln, werden sie im Christentum „Gerechte“ genannt, und die verschwinden nicht im Nirwana, sondern werden zu einem ewigen Leben der Freude erlöst.

Das Problem daran ist: So sind wir Menschen leider nicht

Die Bibel sagt sogar, dass kein Mensch so gerecht lebt. Unsere Taten sind eher böse als gut. Denn auch viele unserer – oberflächlich betrachtet – guten Taten geschehen aus selbstsüchtigen, bornierten oder bösen Motiven. Und Gott sieht sie alle. Am Ende würden daher alle Menschen verurteilt, nicht zu einem Kreislauf ewiger Wiedergeburt wie im Buddhismus, vielmehr zu einer Existenz an einem Ort schlimmster Strafe, wie immer wir uns das vorzustellen hätten.

Der christliche Gott hat einen Ausweg aus diesem Dilemma gefunden

Er hat einen vollkommen guten Menschen in diese Welt gesandt, der die Strafe aller anderen freiwillig auf sich nahm: seinen Sohn Jesus Christus. Damit verbunden ist die Zusage: Wer sich entschließt, sich mit seinem Leben diesem Gott anzuvertrauen, dem schenkt Gott dieses ewige Leben schon jetzt und lädt ihn ein zu einem Leben in Freiheit, Liebe und Güte. Ganz gleich, wie böse sein Verhalten auch gewesen sein mag: Gott begleitet ihn und hilft ihm, der Mensch zu werden, der er nach Gottes liebevollem Wunsch eigentlich schon lange werden sollte. Allein diese Zusage Gottes und seine liebevolle Begleitung ermöglichen die Veränderung seines Wesens zum Guten. Aus eigener Anstrengung allein kann der Mensch diese Veränderung nicht bewirken. Zunehmend kann er ein Leben führen, in dem seine tiefsten Bedürfnisse gestillt werden. Er lernt zunehmend, mit Gottes Hilfe und Kraft nach guten Maßstäben zu leben, ohne darin jedoch perfekt zu werden. Diese Umgestaltung ist ein Prozess, der mit der Entscheidung, sich diesem Gott anzuvertrauen, beginnt und mit dem physischen Tod des Menschen vollendet wird. Nach dem irdischen Tod lebt ein solcher Mensch für alle Ewigkeit ein erfülltes Leben in Freude und ohne Kummer.

Ich will nicht werten. Für mich ist die Frage entschieden. Und, die meisten Menschen, die ich kenne, wünschen sich, dass etwas von ihnen bleibt. Diesen Wunsch nährt die christliche Hoffnung, während der Buddhismus ihn begräbt. Was meinen Sie?

SW, Mitglied der Lukas-Gemeinde