Wie steht die Lukas-Gemeinde zur Beschneidung?

Auf diese Frage können wir nicht mit einem einfachen Pro oder Contra antworten. Die Beschneidung wird heute bei den Juden und bei den Muslimen praktiziert. Sie wird im Alten Testament im ersten Buch Mose erstmalig erwähnt. Das Alte Testament der Bibel stimmt im Wesentlichen mit der Thora, dem heiligen Buch der Juden, überein. Zuerst wird Abraham, der Stammvater der späteren Juden, aber auch der Stammvater aller Araber, aus denen später die Muslime hervorgingen, direkt von Gott aufgefordert, „alles, was männlich ist“, das sind alle Männer, Jugendlichen und Jungen ab einem Alter von 8 Tagen, an der Vorhaut zu beschneiden (vgl.  Genesis 17, 10-14).

Viele Wissenschaftler haben überlegt, was für Gründe das gehabt haben könnte. Man hat über hygienische Vorteile, die Verminderung gesundheitlicher Risiken und ähnliches nachgedacht. Nimmt man jedoch die Bibel ernst, dann ist die Beschneidung ein von Gott eingesetztes Zeichen, an dem man die Menschen erkennt, mit denen Gott einen Bund geschlossen hat. Ein Bund ist eine Art Vertrag, der im antiken Orient in der Regel zwischen zwei Parteien geschlossen wurde, von denen eine stärker und die andere schwächer war. Die stärkere Partei sagte Schutz zu und die schwächere Partei ging gewisse Verpflichtungen wie beispielsweise Tributzahlungen ein. So war es hier auch: Gott sagte Abraham zahlreiche Nachkommen und das Land Israel zu, und Abraham wurde zur Beschneidung verpflichtet. Vor allem  ist demnach die Beschneidung eine Handlung, durch die der Bund, den Gott mit diesen Menschen begründet hat, ein sichtbares Zeichen erhalten hat.

Von den Nachkommen Abrahams sind bis zur heutigen Zeit zum einen die Juden übrig geblieben. Daneben zählen sich zu den Nachkommen Abrahams auch die heutigen Muslime, die zwar nicht durch den Koran, aber durch ihre Tradition erneut aufgefordert werden, ihre Jungen zu beschneiden. Die meisten von ihnen haben noch immer eine mehr oder weniger enge Gottesbeziehung, und diese ist für sie der Anlass zur Beschneidung.

Jahrtausende lang war die Beschneidung also ein Zeichen des Glaubens und wurde in diesem Sinne praktiziert. Erst in jüngster Zeit ist daneben die Frage problematisiert worden, ob es sich bei der Beschneidung von Kindern um Körperverletzung handelt. Zuerst die Richter und zunehmend die Gesetzgeber haben entschieden, dass das Recht des Menschen auf körperliche Unversehrtheit einen höheren Rang hat als die Freiheit der Religionsausübung.

Jeder strenggläubige oder auch nur traditionsbewusste Jude oder Muslim praktizierte aber bisher die Beschneidung nach den Regeln seiner Religion. Und diese sieht – bei Juden wie Muslimen -  eine Beschneidung im Erwachsenenalter nur in Ausnahmefällen vor. Jeder, der seinen Glauben ernst nimmt, muss deshalb für sich die Frage beantworten, ob er seinem Gott mehr gehorcht oder den Gesetzen seines Landes, welche die Unversehrtheit des menschlichen Körpers über die Freiheit der Religionsausübung gestellt hat. Glücklicherweise wurde für die Bundesrepublik eine Lösung gefunden, welche sowohl die freie Religionsausübung ermöglicht als auch die Gesundheit von Kindern angemessen schützt.

Als Lukas-Gemeinde sprechen wir uns deutlich für die freie Religionsausübung aus. Wir können aber eine Beschneidung nur dann befürworten, wenn dabei medizinische Standards eingehalten werden. Die Beschneidung von Mädchen halten wir für ein Verbrechen.

Christen glauben, dass Gott die Menschen in einen neuen Bund einlädt: Die Beziehung eines „Menschenkindes“ zu  Gott als „Vater im Himmel“ (vgl. Hebräerbrief  9,15-10,18). Das Zeichen dieses Bundes ist der Tod von Jesus Christus am Kreuz, so dass ein weiteres Zeichen wie die Beschneidung nicht mehr nötig ist.  

Christen beschneiden ihre männlichen Kinder nicht. Die Frage jedoch, ob man Gott oder den Menschen mehr gehorchen muss, stellen sich Christen mit derselben Ernsthaftigkeit wie die gläubigen Juden oder Muslime. Wie sehen Sie es? Schreiben Sie uns!